Im Luzerner Kantonsrat hat die Bildungsdirektion diverse Fragen rund um die Schuladministrationssoftware Educase beantwortet, die in einem für dringlich erklärten Postulat von Gisela Widmer Reichlin (SP) gestellt worden waren. Nachdem der Kanton das Projekt abgebrochen hatte, wurde die Software der Firma Base-Net Education am 18. März
in 64 Gemeinden definitiv eingestellt."Der Kanton Luzern als Besteller der Schulverwaltungssoftware und der Lieferant sind sich nicht einig, dass eine vertragskonforme Teilabnahme stattgefunden hat", erklärt die Regierung in ihrer Antwort zum Ablauf des Projekts. Der Kanton und der Vorstand des Verbands der Luzerner Gemeinden (VLG) seien sich hingegen einig, "dass der bisherige inhaltliche und zeitliche Projekterfolg ungenügend ist".
Nach der erfolglosen Teilabnahme wurde eine Mediation eingesetzt. Diese habe 21'500 Franken gekostet, die Kosten würden hälftig von den Vertragspartnern getragen. "Ziel des Mediationsverfahrens war, eine Lösung für die Weiterführung des Projektes zu finden." Ein Ziel, das bekanntlich nicht erreicht wurde.
Die Rolle von Gérald Strub
Gefragt wurde weiter auch nach der Rolle von Gérald Strub. Dieser ist seinerseits wegen seiner Rolle beim geplanten Service-Portal für die Bevölkerung in die Kritik geraten. Es geht
um mögliche Interessenskonflikte mit seiner Firma Strub & Partner, die im Bereich der Organisations- und Prozessberatung für öffentliche Verwaltungen tätig ist.
"Gérald Strub vertrat bis Ende 2021 in seiner Rolle als kommunaler E-Government-Beauftragter im Auftrag des VLG dessen Haltung und Interessen und somit aller Luzerner Gemeinden in der operativen Fachstelle E-Government Luzern", heisst es dazu. Er sei nicht gleichzeitig E-Government-Beauftragter des Kantons Luzern. "Der kantonale Beauftrage und Leiter der operativen Fachstelle E-Government Luzern ist im Finanzdepartement angesiedelt."
Externe Person leitet momentan das Projekt
Strub sei aber seit "Beginn des Projektes für die Einführung einer Schulverwaltungssoftware an den Luzerner Volksschulen im Jahre 2011" als Vertreter des VLG dabei gewesen. Seit Dezember 2021 nehme er beratend für den VLG an den Sitzungen des Projektausschusses teil. Er habe sich "gemäss Instruktion seines Auftraggebers – dem VLG – stets sachlich in die Geschäfte des PSA eingegeben".
Der Regierungsrat will nun baldmöglichst ein neues Projekt aufgleisen. "Aktuell leitet eine externe Person das Projekt, bis eine neue Projektleitung rekrutiert und angestellt werden kann. Ein Beizug von externen Beraterinnen und Beratern ist im jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen." Wer diese externe Person ist, wurde nicht gesagt.
Im Moment würden die Erkenntnisgewinne aus der Projektbeendigung aufgearbeitet. Das zuständige Departement leite "in enger Abstimmung mit dem VLG die wichtigen Vorarbeiten für das Nachfolgeprojekt". Dabei würden auch Alternativen zum damals skizzierten Vorgehen geprüft und "neue technische Entwicklungen" in die Überlegungen einfliessen.
"Wille zu selbstkritischem Rückblick fehlt"
Wie die
'Luzerner Zeitung' aus der Kantonsratssitzung berichtet, waren die Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit diesen Ausführungen nur bedingt zufrieden. "Uns fehlt der spürbare Wille zu einem selbstkritischen Rückblick", sagte Jörg Meyer (SP). Die Projektmethoden hätten sich nicht bewährt. "Sie konnten das Desaster nicht verhindern."
Auch Vertreter anderer Parteien kritisierten "Geldverschwendung" und fragten, ob man zu lange am Projekt festgehalten habe. Auch der zusätzliche Aufwand für die Gemeinden wurde moniert, diese sollen laut Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann finanziell
nicht entschädigt werden.Im Parlament wurde nun mit weiteren Vorstössen nachgedoppelt. Eine Motion verlangt vom Regierungsrat, "in einem Bericht Rechenschaft über folgende kritischen oder gescheiterten Informatikprojekte abzulegen: Projekt Edustar, Projekt Educase, neue Steuersoftware, Serviceportal Kanton – Gemeinden".