Digitale Transformation erhöht Fehleranfälligkeit von Skyguide

27. Februar 2024 um 13:37
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Foto: Nino Steffen / Unsplash

Weil sich alte und neue Systeme bei der Flugsicherung überlagern, kommt es am Flughafen Zürich immer wieder zu Störungen. Seit Ende Oktober waren es schon drei Stück.

Die Flugsicherung Skyguide befindet sich derzeit in einem Transformations­prozess: "Während zahlreiche Systeme bereits auf eine neue, virtualisierte Infrastruktur migriert wurden, ist die alte Infrastruktur noch nicht vollständig ausser Betrieb." Dieser vorübergehende Doppelbetrieb erhöht die Fehleranfälligkeit und die Kosten, heisst es in einer Mitteilung zum Jahresbericht 2023.
Demnach gab es seit Herbst 2023 drei technische Zwischenfälle: Am 30. Oktober 2023 verursachte ein Manipulationsfehler bei der Einsetzung neuer Firewalls für rund zwei Stunden den Unterbruch von Starts am Flughafen Zürich. Am 18. Dezember 2023 verzögerte eine Unterbrechung zwischen zwei technischen Applikationen den Flugbetrieb in Zürich um rund 20 Minuten.
Zusätzlich wurden am 18. Februar 2024 Starts und Landungen am Flughafen Zürich für etwa 10 Minuten unterbrochen, weil sich ein Server vorübergehend verlangsamte. "In allen Fällen war die Sicherheit vollständig gewährleistet und die Auswirkungen auf den Flugverkehr waren insgesamt gering", wie das Unternehmen mit Verweis auf Eurocontrol schreibt.

Gröbere Panne in 2022

Bereits 2022 gab es bei Skyguide eine grössere IT-Panne, die dazu führte, dass der gesamte Luftraum über der Schweiz für zwei Stunden gesperrt werden musste. Später kam heraus, dass ein defekter Switch die Ursache für die Störung war. Der Vorfall wurde von mehreren Seiten untersucht. Dadurch stellte sich heraus, dass die Panne wohl hätte verhindert werden können, wenn eine Problemmeldung nicht als Fehlalarm abgetan worden wäre.
Der Sicherheitsauftrag sei für Skyguide zentral, heisst es im Jahresbericht, der auch Einblicke in die IT-Security gewährt. Nach der Störung im Sommer 2022 stand deshalb im vergangenen Jahr die Stärkung der Resilienz im Fokus. Dies sei jedoch ein laufender Prozess, der nie endet, schreibt Skyguide. 2023 wurden deshalb Optimierungsmassnahmen durchgeführt, die zuvor – unter anderem von der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) – identifiziert wurden.

Neues ISMS seit 2023

Mit dem neuen Information-Security-Management-System (ISMS) werden seit 2023 alle Komponenten der Sicherheit koordiniert. "Auch bei der technischen Transformation erfordert der Aspekt der Informationssicherheit eine erhöhte Aufmerksamkeit und grössere Investitionen." Zudem soll die physische Sicherheit aller kritischen Infrastrukturen aufgrund der sich verändernden Bedrohungslage laufend analysiert und adaptiert werden.
Die jüngsten Störungen hätten zudem dazu geführt, dass die Priorisierung dieser Arbeiten zu einer verlangsamten Weiterentwicklung des "Virtual Centre" geführt hat. "Der tägliche Betrieb und die Sicherheit im zivilen und militärischen Luftverkehr zu gewährleisten, hat nach wie vor erste Priorität", heisst es von der Flugsicherung.
Mit der Entwicklung des Virtual Centres verändert sich auch der Fokus bei der technischen Sicherheit zunehmend vom physischen Bereich auf die Informations- und Cybersicherheit, schreibt Skyguide. Dabei ist der Schutz der technischen Systeme ein wichtiger Teil des Auftrags des Unternehmens, "denn zuverlässige Daten sind für die Arbeit der Lotsinnen und Lotsen zentral".

Fehler immer melden

Skyguide hat gemäss eigenen Angaben massiv in Cybersicherheit investiert. Dabei sollen unter anderem interne Sensibilisierungskampagnen zum Umgang mit Cyberangriffen zur Reduktion der Risiken beitragen. Deshalb werde im Unternehmen der sogenannten Just Culture eine hohe Priorität eingeräumt.
"Die besten IT-Systeme nützen nichts ohne starke Sicherheitskultur, wenn die Mitarbeitenden etwa Angst haben, Fehler zu melden, weil sie sonst Sanktionen riskieren. Die sofortige und lückenlose Meldung von sicherheitsrelevanten Vorfällen und die unvoreingenommene Problemanalyse sind für die Stabilität und Zuverlässigkeit des Gesamtsystems unerlässlich", heisst es von Skyguide.
So sollen Mitarbeitende jede sicherheitsrelevante Beobachtung melden, auch wenn sie möglicherweise auf einen eigenen Fehler zurückzuführen ist. Diese Kultur soll laufend gestärkt werden. Dabei ist es für Skyguide wichtig, dass auch das eidgenössische Parlament die Bedeutung dieser Sicherheitskultur anerkennt. Die Ausgestaltung der Just Culture soll nun in der anstehenden Revision des Luftfahrtgesetzes (LFG) festgelegt werden.

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