E-ID: Die Standpunkte von Swico

18. September 2025 um 07:00
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Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Sora

Swico unterstützte schon die erste E-ID, war aber für eine staatliche Lösung. Für den Verband schafft die neue Vorlage Vertrauen durch Design und setzt auf Datensouveränität.

Die Schweiz stimmt am 28. September über die neue E-ID ab. Es ist die zweite Abstimmung in Sachen Digitale Identität. Vor etwa vier Jahren hat das Stimmvolk bereits einmal über die E-ID abgestimmt. Die Vorlage scheiterte an der Urne, weil Fragen des Datenschutzes und der staatlichen Verantwortung nicht geregelt waren.
Nun liegt eine völlig neue Vorlage vor, die mit derjenigen von 2021 nichts mehr gemein hat. In gutschweizerischer Manier wurden alle relevanten Kräfte – auch die schärfsten Kritiker von damals – in die Erarbeitung der neuen Vorlage eingebunden. Das Resultat: Bundesrat, Parlament, alle grossen Parteien mit Ausnahme der SVP, zivilgesellschaftliche Akteure und die Wirtschaft sagen Ja zur E-ID.
Wir stimmen also über eine komplett neue Vorlage ab, die durch und durch überzeugt. Wir stimmen über eine Vertrauensinfrastruktur ab, die auch international ihres gleichen sucht. Die E-ID ist datensparsam, dezentral, staatlich und offen für Innovation. Und sie ist freiwillig – wer weiterhin offline bleiben will, etwa beim Einkaufen oder bei Behördengängen, kann dies weiterhin tun.
Souverän, sicher, praktisch und freiwillig
Swico hat auch die erste E-ID unterstützt. In der Vernehmlassung hatten wir aber eine staatliche Lösung gefordert. Wir hatten also auf die zentrale Schwäche der ersten Vorlage hingewiesen: die fehlende Verantwortung des Staates und der Schutz der Privatsphäre.
Die neue E-ID schafft dieses Vertrauen durch Design. Sie setzt auf Datensouveränität: Der Nutzer oder die Nutzerin kontrolliert die Daten vollständig. Die persönlichen Daten bleiben auf dem Smartphone. Weder der Staat noch private Firmen können den Einsatz der E-ID nachverfolgen. Die Nutzer entscheiden selbst, mit wem sie welche Informationen teilen.
  • Die E-ID ist erstens datensparsam und schützt die digitale Identität der Nutzenden. So wird bei einer Alterskontrolle kein Geburtstag angegeben, sondern nur, ob jemand über oder unter 18 Jahre alt ist. Kein Vergleich zu heute, wo wir für verschiedene Transaktionen einen Scan unserer ID mit allen Informationen durchs Netz schicken.
  • Die E-ID ist zweitens äusserst sicher. Klar, kein Code ist zu hundert Prozent sicher. Das ist eine Binsenwahrheit. Aber die Entwickler der neuen E-ID haben ein System ohne zentrales Register gebaut. Da gibt es nichts, was sich zu hacken lohnt. Überdies hat der Bund den Programmcode veröffentlicht und in einem Wettbewerb dazu aufgerufen, Schwachstellen zu melden.
  • Die E-ID ist drittens praktisch und unbürokratisch. Wer kennt sie nicht, die vielen Arten der Identifizierung im Internet. Einmal braucht es eine Kopie der ID, ein anderes Mal braucht es ein Foto, dann wiederum eine Alterskontrolle oder ein sonstiges Dokument, das die Identität nachweist. Trotz Fortschritten bei der Digitalisierung leben wir in einer Welt mit zahlreichen Medienbrüchen. Das ist nicht zukunftsträchtig und hier wird die E-ID für die Nutzerinnen und Nutzer einen raschen und spürbaren Nutzen bringen. Weniger komplizierte Prozesse, weniger Papier, weniger Bürokratie und mehr Zeit fürs Wesentliche.
  • Die E-ID ist viertens freiwillig. Auch in Zukunft wird es möglich sein, sich mit der klassischen ID auszuweisen. Der Gesetzestext ist glasklar und hält explizit fest, dass weiterhin eine Alternative zur E-ID anzubieten ist – z.B. die klassische ID. In den letzten Wochen ist die Kritik laut geworden, dass diese Pflicht zu einer Alternative für Onlinedienste nicht gilt. Ist diese Kritik gerechtfertigt? Die Antwort ist klar: nein. Oder wollen wir ernsthaft, dass Online-Shops eine physische Anlaufstelle einrichten? Und wie bereits erwähnt, ist das Einscanen und Hochladen von Identitätskarten mit allen Details weder praktisch noch datensparsam.
Was passiert bei einem Nein?
Stimmt das Stimmvolk am 28. September mit Nein, dann wird es keine E-ID geben. Die Vorlage dürfte dann für lange Zeit vom Tisch sein. Das wäre für die Digitalisierung in der Schweiz ein schlechtes Zeichen. Mittelfristig würden wir wohl den internationalen Anschluss verpassen und Innovationen hätten es schwieriger.
Aber die Digitalisierung lässt sich nicht per Volksentscheid aufhalten. Bei einem Nein ist zu erwarten, dass Technologieunternehmen eigene Systeme herausgeben und es eine Vielzahl von verschiedenen Identifikationsmöglichkeiten gibt. In Bezug auf die Digitale Souveränität jedes Einzelnen sowie die Innovationskraft der Schweiz als Digitalstandort wäre das ein kolossales Eigengoal.
Der Autor
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Jon Fanzun ist seit August 2024 CEO von Swico, dem Wirtschaftsverband für die digitale Schweiz. Als Sondergesandter für Cyberdiplomatie vertrat er die digitalen Interessen der Schweiz auf internationaler Ebene. Zuvor arbeitete er als persönlicher Mitarbeiter für zwei Bundesräte und war zuletzt Generalsekretär der FDP Schweiz.

Vor der Abstimmung zur E-ID

In einer Artikelserie lässt inside-it.ch Befürworter und Gegner der Vorlage zu Wort kommen.

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