Es wird nichts mit der Deloitte-Lösung Rialto für die Baselstädtische Polizei

5. Oktober 2022, 15:19
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Foto: zVg

Nun hat es auch die Einführung eines neuen Systems bei der Kapo Basel-Stadt getroffen. Weil keine Offerte kam, muss neu evaluiert werden. Möglicher Verlust: 1,8 Millionen Franken.

Die zur Einführung geplante, neue Vorgangsbearbeitung für die Kantonspolizei Basel-Stadt wird reevaluiert. Das teilt das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) mit. Auf die Ausschreibung eines SAP-ICM-Projektes (Investigative Case Management) war vor mehr als zwei Jahren nur ein Angebot der Swisscom eingegangen. Der Zuschlag erfolgte dann Ende Juni 2020. Veranschlagt waren Kosten von rund 18 Millionen Franken über 10 Jahre. Allerdings war danach keine Offerte eingereicht worden, heisst es nun aus Basel. Somit komme es zu keinem Vertragsabschluss und mit der "Reevaluation prüft das Departement das weitere Vorgehen für die Einführung einer neuen Vorgangsbearbeitung", schreibt das JSD.
Dass es sich um die Swisscom handelt, lässt sich auch daran ablesen, dass das Basler JSD ausdrücklich auf die Softwarelösung im Kanton Bern verweist und erklärt, dass die dort "auftretenden Probleme bei der Einführung unter anderem dazu geführt haben, dass in Basel-Stadt keine Offerte eingereicht wurde". Das habe dazu geführt, dass Basel-Stadt der bisher geplanten Lösung ein Ende setzt, so das JSD weiter. Im Juli hatte es vom Basler Departement noch geheissen, man beobachte die Vorgänge in Bern genau und werde bei einer Einführung von den dortigen Erfahrungen und Investitionen profitieren. "Was aber auch klar ist: Wir werden nicht auf Biegen und Brechen eine Lösung einführen, die nicht das hält, was wir uns davon versprechen", erklärte allerdings schon damals der JSD-Mediensprecher gegenüber inside-it.ch.
Verursacht wurde die Einführungsprobleme in Bern bekanntlich durch die Rialto genannte Software von Deloitte, die mit 2 Jahren Verspätung und nach 3 Zusatzkrediten im April dieses Jahres in Betrieb gegangen war. Swisscom agierte in dem Projekt als Generalunternehmen und verantwortete direkt die App-Entwicklung, den Betrieb, die Infrastruktur und SAP-Lizenzen. Wobei Deloitte als Sublieferant die Entwicklung des Kernsystems unterstand.
Tempi passati. Jetzt kann man in Basel-Stadt froh sein, dass die derzeit genutzte Vorgangsbearbeitung zwar in die Jahre gekommen ist, aber noch stabil läuft. In Bern beschäftigt sich derweil eine GPK-Untersuchung des Grossen Rats mit dem dortigen Projekt.
Gleichwohl bleibt der Kanton Basel-Stadt auf bis zu 1,8 Millionen Franken für Lizenzen und Wartung sitzen. Voraussichtlich müsse der grösste Teil des Betrags als Verlust ausgewiesen werden, heisst es in der Mitteilung des JSD. Auf Anfrage bestätigt das Departement, dass man bereits SAP-Lizenzen plus die entsprechenden Wartungsdienste eingekauft habe. Ob diese nach der Reevaluation noch verwendet werden können, sei derzeit noch offen und allenfalls reduziere sich der Verlust.
Update 6.10.2022, 10:45 Uhr: Das JSD macht darauf aufmerksam, dass die SAP-Lizenzen (siehe zweitletzter Satz) nicht von Swisscom beschafft wurden, wie es ursprünglich im Artikel hiess, sondern von Basel-Stadt selbst.

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