Das
geplante kantonale Fallführungssystem im bernischen Sozialwesen rückt näher. Nächstes Jahr soll das System einsatzbereit sein, um ab 2026 eingeführt zu werden. Für die Stadt Bern bedeutet dies, dass ihr eigenes, teures System Citysoftnet bald ausgedient haben könnte. Die Fallführungssoftware wurde von den Städten Bern, Zürich und Basel zusammen mit Emineo entwickelt. Die Gesamtkosten wurden ursprünglich mit gut 42 Millionen Franken veranschlagt. Das Ziel war eine Lösung, die schweizweit zum Standard werden sollte.
Im Alltag angekommen ist Citysoftnet aber erst in der Stadt Bern – und das auch nicht so richtig: Seit der Einführung im Juni 2023 kämpfen die betroffenen Stellen mit
massiven Problemen. Aufgrund der nicht funktionierenden Software erhielten bedürftige Personen Mahnungen oder Kündigungsandrohungen für ihre Wohnungen und Versicherungen. Zudem wurden
mehrere Nachkredite für die Umsetzung nötig. Ende Juni wurde in einem Untersuchungsbericht von PwC so
einiges am IT-Projekt kritisiert.
Pilotbetrieb beginnt
Wie lange das Citysoftnet bei der Stadt effektiv im Einsatz bleibt, ist offen. Denn der Kanton Bern hatte bereits 2020 entschieden, ein eigenes, einheitliches Fallführungssystem für das Sozialwesen im Kanton aufzugleisen. Der Grosse Rat sprach dafür einen Kredit von insgesamt 52 Millionen Franken. Nun soll der Pilotbetrieb mit zehn Sozialdiensten bald beginnen, wie die kantonale Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion mitteilte.
Mit der neuen Software sollen die administrativen Arbeiten bei den Sozialdiensten, den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) und den Partnern im Bereich der Arbeitsintegration vereinheitlicht werden. Für die Gemeinden und den Kanton soll so die Transparenz im Sozialwesen steigen und Infrastrukturkosten gespart werden können.
Mit den zehn Sozialdiensten, die sich für die Teilnahme am Pilotbetrieb gemeldet haben, wurden Zusammenarbeitsvereinbarungen unterzeichnet. Sie sollen Erfahrungen bei der Migration von Daten und Dokumenten sammeln und den Einführungsprozess erproben. Dereinst sollen 85 Organisationen und rund 2500 Mitarbeitende das neue System nutzen. Die Software stammt von Glaux Soft.
Umstellung in den nächsten Jahren
Laut Kanton soll ab 2025 "ein einsatzfähiges Fallführungssystem für die tägliche Arbeit" bereitstehen. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die Migrations- und Einführungsprojekte. Von 2026 bis 2028, nach Abschluss der Pilotphase, sollen die weiteren Nutzerinnen und Nutzer schrittweise ins neue System migriert werden.
Den Entscheid für das einheitliche Fallführungssystem gefällt haben die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion, die Direktion für Inneres und Justiz, die Berner Konferenz für Sozialhilfe, Kindes- und Erwachsenenschutz (BKSE) sowie der Verband Bernischer Gemeinden.
Stadt verteidigt eigene Lösung
Die Stadtberner Sozialdirektorin Franziska Teuscher hatte Anfang Jahr im Parlament Vorwürfe zurückgewiesen, die Stadt habe viel zu lange am eigenen System "herumgedoktert", obwohl man Kenntnis der Kantonspläne gehabt habe.
Die Stadt habe eine Nachfolgelösung für ihr bisheriges System benötigt, machte Teuscher geltend. Deshalb habe man in Zusammenarbeit mit Basel und Zürich ein neues Fallführungssystem entwickelt, das den Bedürfnissen der Städte gerecht werde. Der Gemeinderat sei nach wie vor überzeugt, dass sich die Investition gelohnt habe.