Helsana kauft Adcubum

14. Juli 2025 um 12:35
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Foto: zVg

Der Versicherer übernimmt das St. Galler Software-Unternehmen. Adcubum soll eigenständig weitergeführt werden.

Die Helsana Gruppe kauft Adcubum. Das 1997 in St. Gallen gegründete Unternehmen bietet Kranken- und Unfallversicherungssoftware an. Seit Anfang 2022 befand sich Adcubum im Besitz der Private-Equity-Firma TA Associates. Laut Mitteilung übernimmt Helsana sämtliche Anteile an Adcubum inklusive des Tochterunternehmens Tech11. Helsana ist seit über zehn Jahren ein wichtiger Kunde und strategischer Entwicklungspartner von Adcubum.
Die Übernahme erfolgt seitens der Helsana Beteiligungen AG, einer auf Investitionen im Bereich des Gesundheitswesens spezialisierten Gesellschaft. Der Kauf werde über die Helsana Holding finanziert. "Das Versicherungsgeschäft wird nicht belastet, es werden keine Prämiengelder für den Kauf von Adcubum verwendet", heisst es. Über den Kaufpreis wurde zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart.

Alle Mitarbeitenden werden übernommen

Adcubum und Tech11 werden als eigenständige Unternehmen weitergeführt. Die operative Leitung liegt weiterhin bei der aktuellen Geschäftsführung, alle rund 300 Mitarbeitenden werden übernommen. Ebenso würden alle Standorte, bestehenden Verträge und Kundenbeziehungen vollumfänglich bestehen bleiben. Im Zuge der Transaktion wird jedoch der bisherige Verwaltungsrat von Adcubum, der grösstenteils aus Vertretern der vormaligen Eigentümer bestand, zurücktreten. Anschliessend werde ein neuer, mehrheitlich Helsana-unabhängiger Verwaltungsrat ernannt.
Steven Neubauer, CEO von Adcubum, sagt in der Mitteilung: "Wir freuen uns sehr, mit der Helsana Gruppe als neuer Eigentümerin die nächste Phase unseres Unternehmens zu gestalten und die Weiterentwicklung unserer führenden Kernsystemsoftware für die Kranken- und Unfallversicherungsbranche entschlossen voranzutreiben." Mit Helsana als finanzstarker Eigentümerin sei Adcubum optimal gerüstet für kommende Marktanforderungen.
Seitens der Versicherung heisst es, mit der Übernahme sichere man sich "langfristig die Stabilität und Weiterentwicklung von IT-Systemen, die für Helsana und die gesamte Branche von zentraler Bedeutung sind". Helsana-CEO Roman Sonderegger erklärt: "Helsana will mit dieser Investition ihre stabile, effiziente und innovative Krankenversicherungssoftware bewahren und weiterentwickeln." Die Investitionen und die gezielten Innovationen für die Software würden Helsana aber auch allen anderen Kranken- und Unfallversicherungen zugutekommen, die mit Adcubum zusammenarbeiten.

"Adcubum ist systemkritisch"

Gegenüber der 'NZZ' (Paywall) sagte Sonderegger: "Adcubum ist systemkritisch für die Schweizer Krankenversicherer." Er schätzt, dass rund 80% des Schweizer Krankenversicherungsmarkts über IT-Systeme von Adcubum laufen. Seit sich Adcubum in den Händen von TA Associates befinde, sei es aber zu "beunruhigenden Entwicklungen" gekommen. Dazu gehöre die Expansion von Adcubum in Deutschland sowie in den Bereich Sachversicherung. "Dies hat zu Unruhe im Markt geführt und viele Schweizer Krankenversicherer nervös gemacht", so Sonderegger. Im Mai hatte das Unternehmen ein Softwareprojekt mit der Württembergischen Versicherung abgebrochen. Dadurch fallen 70 Stellen weg, vor allem in Deutschland.
Gemäss dem Helsana-CEO seien Adcubum-Programmierer plötzlich in anderen Geschäftsfeldern gebunden gewesen und Software-Releases hätten sich verzögert. Auch seien die kommerziellen Vertragsverhandlungen mit Adcubum komplizierter geworden. In der Branche seien die Sorgen darüber gestiegen, dass sich der wichtige IT-Dienstleister mit seiner Wachstumsstrategie verzetteln könnte. "Wir wollten sicher sein, dass wir unsere IT weiterentwickeln können", sagte Sonderegger.
Er wolle Adcubum "möglichst weit weg von der Helsana halten". Damit versucht Sonderegger mögliche Sorgen von anderen Krankenversicherern über Interessenkonflikte zu entkräften. Solche Ängste seien unbegründet, es sei keineswegs das Ziel von Helsana, Wettbewerber bei den Preisen für die Adcubum-Software unter Druck zu setzen, betonte er. Das Ziel sei, die stabile Weiterentwicklung einer kritischen Infrastruktur sicherzustellen. "Mit der Übernahme stellen wir sicher, dass das Unternehmen langfristig in Schweizer Hand bleibt und sich weiterhin auf die spezifischen Bedürfnisse unseres Markts konzentriert", so der CEO.
Update 15.45 Uhr: Der Artikel wurde mit weiteren Aussagen von Roman Sonderegger ergänzt.



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