IT-Woche: Jobs, Jobs, Jobs (ohne Steve)

11. März 2022, 14:12
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Microsoft hat die Pandemie am besten gemanagt, sagten die Angestellten des Unternehmens zumindest indirekt. Auch sonst hat der Stellenmarkt die Woche dominiert.

Microsoft ist der beste IT-Arbeitgeber. Das sagen nicht wir, sondern 15'000 Beschäftigte, die an der diesjährigen Umfrage von 'Handelszeitung' und 'Le Temps' die besten Arbeitskraftnehmer (ich komme später auf den Begriff zurück) der Schweiz gekürt haben. Weil die Redmonder im Jahr zuvor noch auf dem 6. Platz landeten, darf man die Ergebnisse durchaus so deuten, dass das Unternehmen die Pandemie und die daraus folgenden Regeln rund um den Arbeitsplatz am besten gemanaget haben. Oder hat doch der Umzug in den Zürcher Circle und in die superfancy Büros am Flughafen sich so positiv ausgewirkt? Vermutlich nicht. Wie man hört, ist der Grossteil der Mitarbeitenden noch immer im Homeoffice. Über alle Branchen hinweg, hat übrigens zweifelsohne ein nicht namentlich genannter Chipshersteller gewonnen.
Fast mehr Wert als ein 6er im Lotto ist das Diplom, das ICT-Berufsbildung 31 jungen Frauen und Männern überreichte: Diese dürfen sich "Cyber Security Specialist" und "ICT Security Expert" nennen und wohl nicht nur den Arbeitgeber aussuchen, sondern auch noch gleich die Lohnsumme selbst in den Vertrag schreiben. Security-Spezialistinnen und -Spezialisten sind auf dem Arbeitsmarkt so gefragt wie nie zuvor. Weil sich die Profis aussuchen können, für wen sie arbeiten möchten, wird dem Arbeitgeber plötzlich ein Arbeitskraftnehmer, der sich um die besten Talente bewerben muss.

Vom BIT, über Südkorea …

Ein wichtiger IT-Arbeitgeber ist auch das Bundesamt für Informatik. Das BIT ist nicht unter den Top 10 in der zuvor erwähnten Studie zu finden, und muss jetzt – ein Zusammenhang wäre jedoch natürlich völlig konstruiert – externe Dienstleister suchen, die die hauseigenen Support-Abteilung unterstützen. Dafür stehen dem BIT, das aktuell 30'000 Clients betreut und bis 2024 auf 50'000 Geräte ausbaut, 44 Millionen Franken zur Verfügung. Das Geld wird unter den Firmen ACE Systems Engineering, Bechtle, Freestar Informatik, Global IT, Isolution, MSG Systems, Swisscom, Telag, TrueIT und UMB aufgeteilt.
Einen einigermassen eleganten Übergang vom BIT zu Südkorea zu schreiben, ist gar nicht so einfach. Ok, vielleicht so: Informatikspezialistinnen und -spezialisten hat auch der neue Präsident des Landes gebraucht. Er ist im Wahlkampf nicht nur selbst aufgetreten, sondern hat mittels Deepfake-Technologie einen Digital Twin seiner selbst auftreten lassen. Weil Yoon Suk-yeol in der Endabrechnug weniger als einen Prozentpunkt Vorsprung auf den Gegenkandidaten hatte, kann es durchaus sein, dass die Deepfake-Videos den entscheidenen Unterschied ausgemacht haben. Erst kürzlich haben Forscher nachgewiesen, dass Deepfake-Menschen als glaubwürdiger wahrgenommen werden, als echte. Dass genau dieses Kalkül dahinter steckte, sagte der Kampagnenleiter offen und ehrlich: Mit dem Digital Twin des Politikers sollte"die menschliche Seite von Yoon gezeigt werden, nicht das strenge Bild, das er im Fernsehen vermittelt".

… zu Russland

Mindestens genauso beängstigend ist einerseits der Krieg in der Ukraine selbst, andererseits aber auch Putins Drohung, das Internet in Russland vom weltweiten Netz abzukapseln und ein sogenanntes Runet zu etablieren. Zieht es der Kriegsführer durch, ist es für ihn wesentlich einfacher, seine Propaganda zu verbreiten, weil alle Bürgerinnen und Bürger des Landes keinen Zugang zu sämtlichen neutralen Informationen von internationalen Medien mehr hätten.

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