Swisscom: IT-Geschäft wächst, Kerngeschäft stagniert

3. Februar 2022, 11:28
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Swisscom hat im vergangenen Jahr den Umsatz minim auf 11,2 Milliarden Franken gesteigert. Beim Glasfaserstreit zeigt sich der Konzern unnachgiebig und wenig transparent. Der Druck auf die Weko wird erhöht.

11,2 Milliarden Umsatz verbuchte Swisscom im abgelaufenen Geschäftsjahr. Das ist mit einem Plus von 0,7% praktisch identisch mit dem Erlös im Vorjahr.
Während die Einnahmen im Kerngeschäft um 17 Millionen Franken (-0,2%) auf 8,2 Milliarden zurückgegangen sind, ist jener aus dem IT-Lösungsgeschäft um 53 Millionen (+5%) auf 1,1 Milliarden Franken gestiegen, teilt Swisscom mit. Besonders die Nachfrage nach Cloud, Security und IoT-Lösungen habe zum Umsatzsprung geführt.

Gewinnsprung und neue Stellen im Lösungsgeschäft

Jedoch sei auch der Markt für Geschäftskunden "durch hohen Preisdruck und neue Technologien geprägt", weshalb der Umsatz mit Telekommunikationdiensten im Vergleich zum Vorjahr um 4,9% auf 1,6 Milliarden gesunken sei.
Unter dem Strich stieg der Reingewinn um 20% auf 1,8 Milliarden Franken. Der Hauptgrund für die Zunahme ist die Aufwertung einer Beteiligung von Fastweb in Höhe von 169 Millionen Franken. Zudem brachte ein Verkauf eines Firmenanteils in Belgien einen Gewinn von 38 Millionen Franken ein. Fürs kommende Jahr will Swisscom die Kosten um rund 100 Millionen Franken senken. Dazu sei nebst einer Vereinfachung der Prozesse und effizienteren Systemen auch eine Stellenreduktion notwendig. Der Konzern stellt aber auch neue Stellen in Wachstumsbereichen wie beispielsweise im IT-Lösungsgeschäft in Aussicht.

Glasfaserausbau wird reduziert, Druck auf Weko?

Nach der Verfügung der Weko liegt der Ausbau des Glasfasernetzes vorerst auf Eis, zumindest nach dem von Swisscom favorisierten Point-to-Multipoint-Verfahren. Weil der Ausbau nach Punkt-zu-Punkt deutlich teurer sei, muss Swisscom jetzt seine Pläne zusammenstreichen. Statt bislang bis 2025 rund 1,5 Millionen Haushalte ans Glasfasernetz anzuschliessen, würde es so nur für 1 Million reichen.
Auf Nachfrage von inside-it.ch sprach der scheidende Swisscom-CEO Urs Schaeppi an der heutigen Medienkonferenz von "30-40% Mehrkosten" sowie einem "deutlich verlangsamten" Ausbau.

Keine konkreten Aussagen zu den Mehrkosten

Wie viel teurer der Ausbau wirklich ist, wollte das Unternehmen nicht verraten. "Zu diesen Kosten machen wir keine konkreten Angaben", sagte der designierte CEO Christoph Aeschlimann im Interview mit inside-it.ch. Auf die heutige Frage nach der Höhe der Rückstellungen für die Streitereien vor Gericht andererseits und für den teureren Punkt-zu-Punkt-Ausbau andererseits, sagte Urs Schaeppi: "Dazu machen wir keine Angaben."
Klar scheint, dass Swisscom mit dem reduzierten Ausbau des Glasfasernetzes den Druck auf die Weko erhöhen will, um die Behörde zum Nachgeben zu bewegen, damit der Ausbau sich nicht verzögert.

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