Vogt am Freitag: Ok, Google – Rechnung fällig innert 30 Tagen

2. Juni 2023 um 05:38
  • kolumne
  • vogt am freitag
  • telco
  • Medien
  • e-government
image

Wenn man selbst versagt, wird Big Tech zur Kasse gebeten. Das Phänomen ist aktuell gleich in zwei Branchen zu beobachten.

Big-Tech-Konzerne sind keine Wohltäter. Sie sind auch nicht primär dafür da, uns Bürgerinnen und Bürger alle Informationen dieser Welt zur Verfügung zu stellen oder uns untereinander zu vernetzen. Sie sammeln Daten – mal transparent, mal weniger – und betreiben damit Gewinnmaximierung. Wie gut oder wie schlecht man das findet, hängt vom eigenen Moralkompass ab. Ich selbst gehöre eher zu den kritischeren Menschen, was das Business von Google oder Meta angeht.

Warum sollte Big Tech für Fehler ganzer Branchen zahlen?

Dennoch halte ich es für falsch, Big Tech für die Verfehlungen ganzer Branchen geradestehen zu lassen.
Doch genau das ist bei genauem Hinsehen das Ansinnen von zwei total unterschiedlichen Zweigen: der Medienbranche und der Telekomindustrie – teilweise sogar mit Unterstützung der Politik.
So hat der Bundesrat diese Woche die Vernehmlassung zum sogenannten Leistungsschutzrecht eröffnet. Dieses soll Schweizer Medien Geld von Internetkonzernen zuführen, wenn diese journalistische Inhalte (weiter)verbreiten.

Das Leistungsschutzrecht schafft mehr Probleme als es löst

Leider löst das Leistungsschutzrecht (LSR) nicht ein einziges Problem, sondern schafft zig neue Fragestellungen, die kompliziert und unbeantwortet sind. Ein Beispiel: Warum soll Google für einen Preview-Text und einen Link eines 'Tagi'-Artikels zahlen, Wikipedia aber nicht? Wer definiert, welche Links wie viel kosten? Fakt ist: Das angedachte Leistungsschutzrecht belohnt vor allem grosse Verlage für ihr Versagen und ihre jahrelange Misswirtschaft. Sie haben es verpasst, in eigene, digitale Vertriebswege zu investieren und haben ihre eigenen Inhalte für Google und Facebook optimiert. Und deshalb soll nun Big Tech dafür geradestehen? Das ist unfair.
Genauso ungerechtfertigt und falsch ist auch die Forderung grosser Telekombetriebe, dass Google, Netflix oder Meta mithelfen sollen, den Netzausbau zu finanzieren. Ihr Argument: Big Tech sei laut einer aktuellen Studie für mehr als 50% des Traffics verantwortlich.

Verkehr auf Breitbandnetzen erzeugten Nutzer, nicht Anbieter

Dieses Argument ist, mit Verlaub, natürlich Quatsch. Es sind nicht die genannten Dienste, die den Verkehr auf den Netzen erzeugen, sondern die Nutzerinnen und Nutzer. Diese entrichten eine Monatsgebühr an den Telco ihrer Wahl und können dafür dessen Netz nutzen. Ob sie dabei 24/7 Videos streamen oder einmal pro Woche den Teletext aufrufen, ist völlig unerheblich.
Bei der Logik der Telcos müssten sich Opel, VW oder Toyota am Strassenbau beteiligen und Miele und Samsung am Ausbau des Stromnetzes. Dass dies nicht passiert, erscheint wohl jedem logisch – und zeigt genau deshalb die Absurdität der Forderung.
Die Muster gleichen sich: Telekom und Medien wissen nicht weiter, also wollen sie Big Tech ans Portemonnaie. Nur weil deren Geschäftsmodelle je nach Sichtweise ethisch und moralisch zumindest zweifelhaft sind, heisst das nicht, dass sie für das Marktversagen zweier Branchen geradestehen sollten.
Beide Ideen sind Quatsch, sowohl das Leistungsschutzrecht, als auch die Netzbaubeteiligung.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Stadtwerk Winterthur kann beim CRM sparen

Die Ablösung des veralteten SAP CRMs kommt den städtischen Betrieb günstiger als angenommen. Die neue Lösung kostet fast 300'000 Franken weniger als budgetiert.

publiziert am 28.8.2026
imageAbo

Zumikon sucht wieder einen IT-Outsourcer

Auch kleinere Gemeinden lagern die Wartung und Pflege ihrer Hardware gerne aus.

publiziert am 28.8.2026
imageAbo

BIT braucht Red-Hat-Support

Das Bundesamt sucht externe Dienstleister, die sich mit Red-Hat-Produkten auskennen. Dafür rechnet es mit einem Zuschlagsvolumen von über 45 Millionen Franken.

publiziert am 26.8.2026
image

Waadtländer Epic-Entscheid soll das Volk treffen

Das Waadtländer Kantonsparlament debattierte übers neue Klinikinformations-System für das CHUV und weitere Spitäler. Klar wurde nur, dass das Epic-Projekt umstritten bleibt.

publiziert am 26.8.2026