Die Höhe der Epic-Vergabe für die Waadtländer Spitäler ist nun bekannt: Der Gesamtbetrag liegt bei 176,5 Millionen Franken. Dies besagt eine Publikation auf der Beschaffungsplattform Simap.
Das
neue Klinikinformationssystem soll im Lausanner Universitätsspital CHUV und in elf Waadtländer Gesundheitsbetrieben zum Einsatz kommen. Die Summe deckt auch den Aufwand ab, den die Anpassung an alle Spezialgebiete der diversen Spitäler verlangt, "inklusive Onkologie für Erwachsene und Kinder, Intensivmedizin, Notfallmedizin, das OP-Management, die Patienten- und Ressourcenplanung, das Transportmanagement sowie in Laboren und in der Radiologie", so die Ausschreibung.
Dennoch: Der Betrag wirkt hoch. Zum Vergleich: Kurz vor Jahresende vermeldete die Charité in Berlin ebenfalls den Zuschlag für Epic. Dabei war die Rede von rund 200 Millionen Euro, also etwa 185 Millionen Franken. Allerdings: In diesem Betrag sind neben den Kosten für Epic Systems auch "andere Investitionen in die IT-Infrastruktur sowie Kosten für Implementierungsunterstützung" enthalten, heisst es in der Mitteilung.
Mit über 150'000 stationären Patienten und mehr als einer Million ambulanten Fällen ist die Charité das grösste Universitätskrankenhaus Europas. Der Berliner Campus ist ungefähr zwei- bis dreimal so gross wie das CHUV, sowohl was die Bettenkapazität, die Patientenzahl als auch das Personal betrifft.
US-System spaltet weiterhin
Andere Vergleiche: Das
Luzerner Kantonsspital (Luks) hatte das US-System im Jahr 2019 zu einem Gesamtpreis von 66 Millionen Franken eingeführt. Die Insel Gruppe gab offiziell Einführungskosten von gut 80 Millionen an. Beim
Universitätsspital Zürich, das sich im August für Epic entschied, beläuft sich die offizielle Vergabesumme auf 94,8 Millionen Franken, verteilt über zehn Jahre. Das
Kinderspital Zürich erteilte Epic 2023 einen Zuschlag für 51 Millionen Franken, wobei die Einführung derzeit sistiert ist.
Epic zählt eigenen Angaben zufolge zu den am weitesten verbreiteten klinischen Informationssystemen der Welt: Der IT-Konzern aus dem Wisconsin betreut gut 3000 KIS-Installationen weltweit. In Europa sind es mehr als 100. Die Befürworter loben die Effizienzgewinne und die Vereinheitlichung der Prozesse. Kritiker bemängeln die hohen Kosten, die mangelnde Transparenz und die Gefahr der Abhängigkeit von einem amerikanischen Anbieter, was Fragen zum Datenschutz aufwirft.
Vor allem in Bern ist das Klima angespannt: Denn
dort will die Kantonsregierung, dass Epic über die Insel Gruppe hinauswächst. Alle Spitäler des Kantons sollen unter ein IT-Dach gezwungen werden. Im Grossen Rat erwächst Widerstand. Mehrere Parlamentarier forderten eine Untersuchung. Eine Motion, die von allen Parteien eingereicht und für dringlich erklärt wurde, soll in der Frühjahrssession behandelt werden.
Im Zentrum der Debatte steht dabei die finanzielle Frage. Als offizieller Kaufpreis gilt immer noch die Summe von 83 Millionen Franken, in einer
Interpellationsantwort tauchte plötzlich ein Betrag von fast
100 Millionen Franken auf – ohne die internen Personalkosten.
Die Zusatzkosten-Frage
Es wird zu beobachten sein, wie sich die Epic-Kosten für die Waadtländer Spitäler entwickeln. Das Fachmedium '
Healthcare Digital' warnte im Zusammenhang mit dem Charité-Deal, dass andere Epic-Projekte in Europa ihre Budgets "weit überzogen" hatten. In Dänemark, das Epic landesweit einführte, habe sich das Budget verdoppelt.
Als das CHUV im November den Beschaffungsentscheid vermeldete, nannte es einen Preis von "etwas mehr als 89 Millionen Franken". Diese Summe entspricht der Investition, die für die Fertigstellung des Projekts erforderlich ist und etwa zwei Jahre dauern sollte. Danach fallen jährliche Wartungskosten von rund 10 Millionen Franken an. Der auf Simap veröffentlichte Betrag entspricht der gesamten Anfangsinvestition plus den Wartungskosten über einen Zeitraum von etwa acht Jahren.