Weko meldet sich bei Swisscom in Sachen Glasfasern

2. August 2023 um 11:49
  • channel
  • glasfaser
  • schweiz
  • weko
  • swisscom
image
Foto: Getty / Unsplash+

Die Wettbewerbskommission hat dem Konzern den Antrag ihrer Verfügung zugestellt. Damit rückt ein definitiver Entscheid im Glasfaserstreit näher.

Der Glasfaserstreit der Swisscom mit der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) kommt auf die Zielgerade. Die Wettbewerbshüter haben dem Telekomkonzern den Antrag ihrer Verfügung zugestellt.
Der Konzern habe jetzt bis ungefähr Mitte September Zeit zu einer Stellungnahme, sagte Weko-Direktor Patrik Ducrey am 2. August auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'AWP'. Auch wenn Swisscom eine Fristverlängerung beantragen sollte, könnte die Weko wahrscheinlich noch in diesem Jahr einen definitiven Entscheid fällen. Das hänge allerdings auch von den Änderungsanträgen von Swisscom ab.

Weko stoppte Swisscom-Ausbau

Das Verfahren dauert schon länger: Im Dezember 2020 hatten die Wettbewerbshüter den Glasfaserausbau von Swisscom mit vorsorglichen Massnahmen gestoppt. Denn die Kartellwächter halten die von Swisscom geänderte Netzarchitektur mit nur einer Zuleitung von der Telefonzentrale bis zum Strassenschacht für wettbewerbswidrig. Die Weko pocht auf einen Ausbau mit einer Zuleitung für jeden Haushalt.
Nur so können Swisscom-Konkurrenten den Kunden eigene Internetangebote machen, die sich von jenen von Swisscom unterscheiden, und beispielsweise höhere Surfgeschwindigkeiten anbieten als der "Blaue Riese". Zudem erhält so jeder Haushalt eine Direktleitung in die Telefonzentrale und muss sich nicht die Zuleitung mit den Nachbarn teilen.
Allerdings ist diese Bauweise teurer, als nur eine Zuleitung von der Telefonzentrale bis zum Strassenschacht vor den Häusern zu verlegen. Swisscom hat aus Kostengründen die billigere Variante gewählt und trotz des Vetos der Wettbewerbshüter lange daran festgehalten. Allerdings scheiterten die Einsprachen des Branchenprimus gegen die vorsorglichen Massnahmen der Weko bis hinauf zum Bundesgericht.

500'000 Anschlüsse blockiert

Im vergangenen Oktober hatte Swisscom im Glasfaserstreit mit der Weko eine Kehrtwende vollzogen. Denn der Druck durch hunderttausende blockierte Anschlüsse, die nicht in Betrieb genommen werden dürfen, wurde zu gross. Neu baut der Konzern wieder Direktleitungen von der Telefonzentrale bis zu den Haushalten.
Swisscom rüstet auch freiwillig "alte" Glasfaseranschlüsse um, wie der Konzern im April gegenüber inside-it.ch bestätigte. Man werde ausnahmslos "alle P2MP-Anschlüsse umbauen". Swisscom habe sich entschieden "auch P2MP-Glasfaseranschlüsse, welche heute nicht gesperrt und somit vermarktbar sind, in P2P-Architektur umzubauen".
Insgesamt waren Ende März 2023 rund 500'000 Glasfaseranschlüsse blockiert, die nur eine Zuleitung für mehrere Haushalte haben. Das sind 9% aller Haushalte. Swisscom will diese blockierten Anschlüsse nun teilweise umbauen. Insgesamt sind in der Schweiz 43% der Haushalte mit den ultraschnellen Datenleitungen erschlossen. 100% wären laut Swisscom-Angaben 5,45 Millionen Anschlüsse.

Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

EU stellt Fragen, Broadcom macht Zugeständnisse

Nach Beschwerden von Usern und Providern hat die EU Fragen an Broadcom geschickt. Der Konzern reagierte mit einem leichten Zurückkrebsen.

publiziert am 16.4.2024
image

Salesforce will angeblich Informatica übernehmen

Derzeit laufen gemäss Berichten Gespräche über einen allfälligen Kauf. Es wäre die grösste Übernahme von Salesforce seit der Akquisition von Slack im Jahr 2020.

publiziert am 15.4.2024
image

Untersuchung findet keine Finanzmanipulationen bei Temenos

Der Bericht zur Untersuchung widerspricht den Vorwürfen, die ein Investmentunternehmen im Februar gemacht hat.

publiziert am 15.4.2024
image

Heisst Klara bald E-Post?

Wie inside-it.ch erfahren hat, könnte der Name Klara bald verschwinden. Die heutige Post-Tochter rückt wohl auch namenstechnisch näher an den Gelben Riesen.

publiziert am 12.4.2024