Berner IT-Projekt Rialto/Nevo gescheitert

10. Dezember 2025 um 11:29
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Foto: Andreas Fischinger / Unsplash

Das Hauptziel des Projekts war die Integration der IT-Systeme von Polizei und Justiz. Nun ist die Staatsanwaltschaft ausgestiegen.

Das Informatikprojekt Nevo/Rialto der Berner Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft ist gescheitert. Das geht aus einem Communiqué des Kantons Bern hervor. Das Projekt wird nächstes Jahr offiziell beendet.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern entschied laut der Mitteilung, aus dem Projekt auszusteigen. Ihr geplanter Systemteil der Fachapplikation Rialto sowie die digitale Brücke zur Kantonspolizei werden also nicht realisiert. Die bestehenden Verträge mit den Lieferanten Swisscom und Deloitte sollen rückabgewickelt werden. Die Verhandlungen dazu seien weit fortgeschritten.
Nevo/Rialto galt bei seiner Teileinführung 2022 als innovatives Projekt, das es so in der Schweiz noch nicht gab. Mit ihm sollten die Abläufe zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft durchgehend digitalisiert und vereinheitlicht werden. Auch andere Kantone überlegten sich, die Lösung ebenfalls zu übernehmen.
Schon vor der Einführung der ab 2017 entwickelten Lösung bei der Polizei im Jahr 2022 gab es Mehrkosten und Verzögerungen. Nach dieser Einführung rissen die negativen Meldungen kaum mehr ab. Polizistinnen und Polizisten beklagten sich schon nach drei Monaten, dass das System "fehleranfällig und langsam" sei. Der Kanton Basel-Stadt entschied sich daraufhin, die eigentlich schon geplante Einführung auf Eis zu legen.

Technische Schulden wegen Verzögerungen

Wegen der langen Verzögerungen wurde dann klar, dass die SAP-basierte Lösung schon nach kurzer Betriebszeit auf S/4Hana migriert werden müsste. Das Berner Parlament genehmigte dafür einen weiteren Millionenkredit. In diesem August dann die letzte Hiobsbotschaft: Die IT-Partner für das Projekt, Deloitte und Swisscom, erklärten, dass die zugrundeliegende Technik Ende 2027 eingestellt werden soll.
Wie viel der Kanton Bern genau für Rialto ausgegeben hat, weiss man derweilen immer noch nicht genau. Das Projekt hat seit seiner Initiierung mehrere Nachkredite in Millionenhöhe benötigt. Gegenüber der 'Berner Zeitung' wollte der Kanton in diesem Sommer keine Stellung zu den exakten Kosten nehmen, die Rialto mittlerweile angehäuft hat. Laut dem Präsidenten der Geschäftprüfungskommission des Parlaments, Bänz Müller (SP), hatte auch die Kommission darüber von fünf Monaten keine Übersicht. Er rechnete aber mit weiteren Ausgaben. "Bis zum definitiven Abschluss des Projekts dürften sich die Kosten im Vergleich zum ursprünglichen Kredit von 13,5 Millionen Franken wohl zumindest verdoppeln", sagte Müller.

Kanton will Investitionen schützen

Zu diesem Abschluss wird es nach dem Ausstieg der Staatsanwaltschaft nun aber gar nicht kommen. Genau die Integration der Polizei- und der Justiz-IT war ja das eigentlich innovative Kernziel des Projekts.
Der Kanton pocht aber trotzdem darauf, dass nicht alles verloren sei. Das Ziel sei es nun, Investitionen zu schützen und die künftige Handlungsfähigkeit zu sichern, hiess es in seiner Mitteilung.
Man wolle nochmal prüfen, ob man die zugrundeliegende SAP-Version, die ab 2031 nicht mehr unterstützt wird, trotz allem noch auf S/4Hana migrieren will, oder ob man sie durch ein anderes System ersetzen will. Die Entscheidung darüber soll bis Mitte 2026 fallen.
(Mit Material von Keystone-sda)

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