Crealogix verkauft die E-Learning-Tochter

17. August 2022, 14:22
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Die neuen Mitbesitzer des Managements: Roland Gmür, Helena Tischler, Urs Widmer, Michael Kurz und Andreas Häberli. Foto: zVg

Swiss Learning Hub wird vom Investor Blue8 und dem bestehenden Management übernommen. CEO Urs Widmer äussert sich zu den Plänen.

Im Rahmen eines Management Buy-out hat Crealogix die Mehrheit an seinem Digital-Learning-Geschäft an die Schweizer Investorengruppe Blue8 verkauft. Gemeinsam mit der heutigen 5-köpfigen Geschäftsleitung habe man rückwirkend zum 1. August 2022 die Mehrheit von 67% der Aktien übernommen, teilt Swiss Learning Hub mit. Das übrige Aktienpaket verbleibe "vorerst", wie es weiter heisst, bei der Crealogix Gruppe. Zum Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, wobei bekannt ist, dass Swiss Learning Hub zuletzt rund 11 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet hat.
Urs Widmer, CEO vom Swiss Learning Hub, erklärt auf Anfrage von inside-it.ch, dass er und seine 4 Kollegen aus der Geschäftsleitung –Roland Gmür, Helena Tischler, Michael Kurz und Andreas Häberli – sich an der Mehrheitsübernahme beteiligen. Hinzu kämen Gelder der Investoren von Blue8, so dass nun der schon länger anvisierte nationale und internationale Ausbau möglich werde. Dazu müsse man wissen, sagt Widmer, dass die jetzt erfolgte Mehrheitsübernahme schon 2019, beim Start in die Eigenständigkeit Thema gewesen sei. "Weil wir nicht Teil der Fokusstrategie von Crealogix sind", so Widmer. Die nun erfolgte Realisierung habe sich nicht zuletzt wegen unerwarteter Schicksalsschläge bei der Investorensuche verzögert. Insgesamt komme mit der Mehrheitsübernahme ein "mehr als 3-jähriger Prozess zu Ende und es handelt sich nicht um eine Haurucklösung", sagt der CEO.

Nicht das erste Buy-out

Bei Crealogix heisst es, der Verkauf des Digital-Learning-Geschäfts folge "der konsequenten Umsetzung der Strategie", die sich auf das Digital Banking fokussiere. Ähnlich hatte das Unternehmen schon bei der Ausgliederung des BaaS-Geschäftsbereichs (Backend as a Service) argumentiert, wozu Anfang 2021 in einem Management-Buy-out die Firma Coperitus gegründet worden war.
Konkret heisst es zum Swiss Learning Hub, dass der schon Ende 2019 in eine Tochtergesellschaft ausgegliederte Bereich derzeit rund 50 Mitarbeitende in Zürich beschäftige und zuletzt 10% zum Gesamtumsatz der Crealogix Gruppe beigetragen habe. Der lag im Vorjahr bei knapp 110 Millionen Franken, war aber im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2021/2022 um knapp 14 % rückläufig und betrug noch 45,4 Millionen Franken.

Die Ziele des E-Learning-Unternehmens

Die neuen Mehrheitsaktionäre positionieren ihre Firma als "EdTech Unternehmen". Deren Kerngeschäft liege in der Bereitstellung und Weiterentwicklung einer Software-Plattform für die berufliche Bildung. Ausserdem entwickle man digitale Lernlösungen. Der Einstieg des Investors Blue8 und die Übernahme der Aktienmehrheit machen den "Weg frei für weiteres nationales und internationales Wachstum", so die neuen Besitzer.
Laut Widmer wachse der "EdTech Markt über die nächsten Jahre weiterhin 2-stellig". Die derzeitige eigene Stellung im Markt für die beruflichen Bildung sei eine solide Basis für den nächsten Wachstumsschritt, fügt er an. Weiter spricht Widmer von einer "Buy & Build Strategie", mit der grosses Wachstum national und international realisiert werden könne: "Neben dem organischen Wachstum ist auch der Zukauf von Unternehmungen geplant, welche die erfolgreiche Umsetzung unserer Strategie unterstützen."
Besonders bei den Zukäufen aber auch bei der strategischen Weiterentwicklung erwartet Widmer Unterstützung von den Investoren. Man habe keine Erfahrung mit Firmenübernahmen, erklärt er in einem Telefonat mit inside-it.ch. In Sachen Internationalisierung gehe es zunächst um die DACH-Region und hier besonders um den deutschen Markt. Aber auch in der Schweiz sehe man Übernahmepotential. Konkrete wollte Widmer hierzu allerdings nicht werden. Auch auf die Frage, ob Swiss Learning Hub beispielsweise wegen des Luzerner-Debakels in den Markt für Schul-Software einsteigen werde, winkt Widmer ab. Eine Erweiterung des Angebots von der Berufsbildung hinunter auf Schuleben sei zwar möglich, aber sei weder primär im Fokus noch strategisch virulent.

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