Schweizer Softwarebranche sieht KI als Chance

25. Juni 2026 um 09:13
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Foto: inside-it.ch

Wegen Heerscharen von KI-Agenten wird der Schweizer Softwareindustrie nicht bange. Die Firmen machen sich die Technologie vielmehr zunutze, hiess es am "Swiss Software Festival".

Die Schweizer Softwareindustrie befindet sich in einem grossen Umbruch. Daran liessen die Rednerinnen und Redner am "Swiss Software Festival" in Arlesheim bei Basel keine Zweifel. Sie waren sich einig, dass KI den Job der Programmiererinnen und Programmierer grundlegend verändert. Allerdings ist die Entwicklung nicht ganz neu. Die einheimischen Entwicklerfirmen haben sich längst mit der neuen Realität arrangiert. Mehr noch: Sie nutzen KI weitreichend zu ihrem Vorteil.
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Thomas Wüst von Ti&m. Foto: inside-it.ch
Den Gründer von Ti&m, Thomas Wüst, treiben nach eigener Aussage aktuell drei Themen um: KI, digitale Souveränität und Vertrauen. Er liebe Veränderung, sagte er. Genau wie KI derzeit alle Branchen verändere, müsse sich auch die Schweizer ICT neu erfinden. Der Fokus bei Ti&m liege auf höherwertigen Services, die einerseits nicht durch KI und andererseits in einem Hochlohnland wie der Schweiz erbracht werden könnten. Der Plan scheint aufzugehen, wie Wüst nachdoppelte, denn sein Unternehmen rechne mit Wachstum. Ti&m wolle in diesem Jahr 10 bis 12% mehr Stellen schaffen – und nicht KI-Agenten.

KI für Bankberater und Immobilienplaner

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Penny Schiffer von UBS. Foto: inside-it.ch
Von über 300 KI-Anwendungsfällen bei der UBS wusste Penny Schiffer zu berichten, ohne dabei konkrete Beispiele zu nennen. Bekannt sind der KI-Assistent "Red" für die Unterstützung der Kundenberatung, KI-Tools für Informatikerinnen und Informatiker sowie die Zahl der 780 weiteren Anwendungsfälle, die sich in der Entwicklung befinden. Dabei setzt die Grossbank unter anderem auf die Technologie von Microsoft und dem Tessiner Artificialy. Eine Herausforderung des KI-Einsatzes in einer hochregulierten Branche sei es, den In- und Output von KI-Modellen nachzuvollziehen und replizierbar zu machen, so die Expertin mit dem Jobtitel Principal AI Engineer & Strategist.
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Raffaelle Grillo von Abacus. Foto: inside-it.ch
Mit KI in neue Geschäftsfelder aufbrechen will offenbar der St. Galler ERP-Spezialist Abacus Research. COO Raffaelle Grillo ermunterte die circa 600 Gäste am Festival dazu, dem Beispiel zu folgen. "Jetzt können Produkte realisiert werden, die vorher nicht möglich waren", betonte er. Auf der Bühne zeigte er eine Lösung aus den Labors: Auf der Basis der quelloffenen Deep-CAD-Technologie habe Abacus eine Anwendung für Architektur und Raumplanung entwickelt. Die Software generiert ausgehend von Konstruktionszeichnungen ein interaktives Modell, das vermessen und virtuell besichtigt werden kann. Dann lassen sich selbstredend auch Daten für den Druck eines 3D-Modells generieren.

Chaos und ein Wermutstropfen

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Lukas Ryf von Adobe. Foto: inside-it.ch
In den Adobe-Büros der früheren Day Software herrschte vor einigen Jahren hektische Betriebsamkeit, erinnerte sich der Site Leader Adobe Basel, Lukas Ryf, auf der Festival-Bühne. Den Entwicklerinnen und Entwicklern wurde nahezu unbeschränkter Zugang zu den populären KI-Modellen gewährt. Damit schafften sie eine Menge Innovation, produzierten aber auch ein "Chaos", da nicht in allen Fällen an die Integration in die bestehenden Adobe-Lösungen gedacht wurde, berichtete Ryf. Ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Senior-Management kam dann die Aufgabe zu, Ordnung in das Chaos zu bringen und den Token-Verbrauch zu zügeln.
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Beat Fluri von Adnovum. Foto: inside-it.ch
Die Programmiererinnen und Programmierer von Adnovum haben laut Aussage von CTO Beat Fluri bis anhin noch kein Token-Limit erreicht. KI werde in der Entwicklung bei den Zürchern allerdings auch verbreitet genutzt, sagte er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Wir müssen uns wohl früher oder später damit abfinden, dass wir keinen Programmcode mehr selbst schreiben. Mein Herz blutet bei dem Gedanken", gestand Fluri.
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Thomas Brenzikofer von Swiss Made Software. Foto: inside-it.ch
Der Branchenkenner und Buchautor Christoph Hugenschmidt betonte auf der Festival-Bühne, KI werde die Schweizer Softwareindustrie verändern wie keine andere Technologie zuvor. Für ihn stehe allein noch nicht fest, wohin der Weg führe, so Hugenschmidt. Der Mitveranstalter Thomas Brenzikofer war froh, dass die Branche mit der Anzahl von über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am "Swiss Software Festival" Stärke zeige. Im Vorjahr gab es rund 500 Gäste.
Interessenbindung: Inside IT ist Medienpartner des "Swiss Software Festivals".
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