Wo sich AWS in der KI-Welt sieht

30. Januar 2024 um 13:50
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Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Dall-E / GPT-4

Künstliche Intelligenz wird zum Billionen-Geschäft. Wir haben mit Vasi Philomin, KI-Leiter bei AWS, über Neuerungen, verantwortungsvolle KI und Herausforderungen für Unternehmen gesprochen.

Derzeit finden keine Veranstaltungen im Tech-Bereich statt, bei denen es nicht in irgendeiner Form um KI geht. Künstliche Intelligenz stand im Zentrum der meisten Produktneuerungen der CES und auch an der Reinvent Ende letzten Jahres in Las Vegas war das Thema omnipräsent.
"Generative KI hat das Potenzial, so ziemlich jede Funktion in jedem Unternehmen in jeder Branche zu verändern", sagte Vasi Philomin, VP Generative AI bei AWS, im Gespräch mit inside-it.ch.

GenAI-Markt explodiert

'Bloomberg Intelligence' geht davon aus, dass der Markt für generative KI (GenAI) in den nächsten 10 Jahren von 40 Milliarden auf 1,3 Billionen US-Dollar anwachsen wird. Neben der benötigten Infrastruktur werde auch die Nachfrage nach neuen Softwarelösungen die Absätze antreiben. Da immer mehr Unternehmen ihre Workloads in die Public Cloud verlagern, werden AWS, Microsoft und Nvidia demnach die grössten Profiteure des Booms sein.
Es überrascht deshalb nicht, dass die Cloud-Anbieter viel Geld in die Hand nehmen. Als Beispiele genannt seien das 10 Milliarden Investment von Microsoft in OpenAI oder die 4 Milliarden Dollar, die AWS in die KI-Firma Anthropic steckte.

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AWS-CEO Adam Selipsky mit Dario Amodei, CEO von Anthropic, auf der Bühne der Reinvent 2023 in Las Vegas. Foto: AWS
Bei jeder neuen Technologie beschleunige sich deren Einführung. Und bei generativer KI gehe es sehr schnell, sagte IDC-Analystin Roberta Bigliani am Rande der Veranstaltung. Anders als beim Hype um Blockchain, bei dem die Technologie nach einem Business-Problem suchte, sei generative KI tatsächlich etwas, das einige Probleme lösen und Kosten einsparen könne. "Jeder einzelne CIO, mit dem ich spreche, beschäftigt sich derzeit mit dem Thema", so die Analystin zu inside-it.ch.

Die Qual der Wahl?

Für Unternehmenskunden gebe es eine Reihe von Herausforderungen im Zusammenhang mit KI, die AWS versuche anzugehen, so Philomin. Für unterschiedliche Arbeiten werden unterschiedliche KI-Modelle benötigt, wie auch AWS-CEO Adam Selipsky betonte. "No modell to rule them all", hiess es vom AWS-Chef bereits mehrfach.
Kunden müssen demnach die Möglichkeit haben, unterschiedliche KI-Modelle von verschiedenen Anbietern zu betreiben, und zwar ohne grossen Aufwand. Hier sieht sich AWS gut positioniert, da man mit Bedrock sowohl Modelle anderer Anbieter als auch eigene zur Verfügung stelle, erklärte Philomin.
Wenn nun aber alle Kunden Zugriff auf die gleichen Modelle hätten, würden sie sich fragen, wie sie sich von ihren Konkurrenten unterscheiden können, ergänzte der Manager. Zwei der Lösungsansätze des Cloud-Konzerns dafür sind Customization und Finetuning. Damit könnten Kunden ihre Modelle anpassen und mit eigenen und damit einzigartigen Daten anreichern. Der Konzern betont, keinen Zugriff auf diese Informationen und Daten zu haben.

Über Politik spricht man nicht

Mit KI werden Arbeitsabläufe automatisiert, sei es beim Verfassen eines Textes oder dem Fällen eines Entscheids. Deshalb wird es wichtig bleiben, dass Menschen sich nicht ausschliesslich auf die Technologie verlassen. Mit "Guardrails" biete AWS weitere Anpassungsmöglichkeiten oder eben "Leitplanken", womit Anwender beispielsweise bestimmen könnten, dass ein Chatbot mit Kunden nicht über Politik sprechen dürfe.
An dieser Stelle sei kurz an den KI-Bot "Tay" erinnert, den Microsoft 2016 via Twitter publizierte. Nur 16 Stunden nach dem Start musste Tay offline genommen werden, da er begann, anzügliche und beleidigende Tweets zu verfassen.

Abhängigkeiten verstehen

Mit den Möglichkeiten zur Anpassung helfe man Firmen auch dabei, KI verantwortungsvoll einzusetzen, so der AWS-Manager. Eine weitere Option seien Wasserzeichen, die das Modell Titan seinen erzeugten Bildern hinzufügt. Für Menschen seien die Wasserzeichen nicht erkennbar, aber "auf diese Weise können Sie immer feststellen, ob das Bild von Titan erstellt wurde oder nicht. Und das ist wichtig", so Philomin.
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Vasi Philomin, VP Generative AI bei AWS. Screenshot: The Cube / AWS
Für Firmen bedeute der verantwortungsvolle Umgang mit KI aber auch, dass die Tools für den Unternehmenseinsatz geeignet sein müssen, führte der KI-Verantwortliche von AWS aus. Viele der Lösungen seien dies nicht. Das habe unter anderem mit mangelndem Datenschutz und der fehlenden Kontrolle über die Daten zu tun. Bekanntlich haben beispielsweise Apple oder Samsung ihren Mitarbeitenden die Nutzung von ChatGPT untersagt.

Zweck hinterfragen

Jeder Service sei für einen bestimmten Zweck entwickelt worden. Kunden müssten diesen verstehen und entsprechend entscheiden, für welche Art von Anwendungen er verwendet werden kann, so Philomin weiter. "Man kann nicht etwas nehmen, das für eine bestimmte Art von Anwendung entwickelt wurde, und es in einem völlig anderen Kontext verwenden."
Um dies besser einschätzen zu können, bietet AWS sogenannte Service Cards. Diese erklären unter anderem, für welche Anwendungsfälle ein KI-Modell entwickelt wurde und zeigen, welche Überlegungen mit Blick auf Datenschutz, Bias oder Fairness zu berücksichtigen sind.
Als Beispiel nannte er die "Toxicity" bei einem Transkriptions-Tool. Damit lasse sich erkennen, ob ein automatisch erstelltes Transkript Belästigungen oder Drohungen enthält. Darauf basierend könnten Anwender dann weitere Entscheidungen treffen, etwa ob Passagen manuell redigiert werden müssen oder ein Text für Kinder ungeeignet ist.

Ein Risiko-basierter Ansatz

Wenn man von verantwortungsvollem Einsatz von KI spricht, geht es häufig auch um die Frage des Risikos, das von einem Tool ausgeht. Im Zuge der KI-Regulierung hat auch die EU einen solchen Ansatz gewählt. "Ich denke, solche Risiko-basierten Regelwerke sind sinnvoll", bilanzierte Philomin.
Diese würden es grundsätzlich ermöglichen, die Technologie auf positive Art und Weise zu nutzen. "Aber wenn es einen sehr risikoreichen Anwendungsfall gibt, dann sollte man sich nicht nur auf die Technologie verlassen. Man muss sicherstellen, dass ein Mensch mitentscheidet." Es sei somit wichtig, zu unterscheiden, welche Anwendungen einer genaueren Prüfung bedürfen und welche sehr sicher sind.

Big Tech zahlt bei Copyright-Klagen

Bezogen auf Regulierung und Gesetze ist auch das Thema Copyright relevant. Mittlerweile laufen eine Reihe von Klagen, in denen Künstler den Entwicklern von KI-Modellen vorwerfen, Urheberrechte verletzt zu haben. Kein Unternehmen könne KI-Anwendungen im grossen Massstab einsetzen, ohne sich über solche Fragen Gedanken zu machen, sagte Philomin.
Sollte ein Kunde mit einem solchen Rechtsfall konfrontiert werden, werde AWS den Streit übernehmen, so der Ansatz des Cloud-Konzerns. Das heisse nicht, dass AWS viele Fälle erwarte, sagte Philomin, aber: "So können wir unseren Kunden sagen, dass wir darauf vertrauen, wie wir unsere Modelle gebaut haben und sie die Tools sicher verwenden können." Mit Microsoft und Google haben zwei weitere Tech-Giganten ähnliches angekündigt.
Interessenbindung: Die Gespräche mit Vasi Philomin und Roberta Bigliani wurden im Rahmen der Reinvent geführt, zu der die Autorin von AWS eingeladen wurde. Das Unternehmen kam für die Reise- und Übernachtungskosten auf.

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