Vor 75 Jahren: HP wird offiziell zur Firma

19. August 2022, 13:22
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Bill Hewlett und David Packard (v.l.). Foto: HP

Bill Hewlett und David Packard sollen für die Namensfolge von HP eine Münze geworfen haben. Am 18. August 1947 wurde es offiziell registriert.

Wer heutzutage im IT-Kosmos von Palo Alto spricht, muss an die Garage von William (Bill) Hewlett und David Packard erinnern, die bis heute als Geburtsort des Silicon Valley gilt. 1938 gründeten hier die beiden Herren mit Tonfrequenzgeneratoren und etwas mehr als 500 Dollar Startkapital eine unscheinbare Firma. Dieser Garagenstart ist bis heute Inbegriff des Charakters eines IT-Startups. Bereits damals sollen Hewlett und Packard eine Münze geworfen haben, die über den Namen des gemeinsamen Unternehmens entschieden haben soll. Ein Dezennium später, vor fast genau 75 Jahren, am 18. August 1947 wurde die Firma dann unter dem Namen Hewlett-Packard (HP) offiziell eingetragen. Wiederum eine Dekade später, am 6. November 1957, ging HP an die Börse und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Player der IT-Branche.
Hewlett und Packard hatten 1935 in Elektrotechnik an der Stanford University diplomiert und die Hochschule mit einem Stipendium verlassen. Ausserdem stand ihnen weiter ihr Stanford-Professor Frederick Terman zur Seite. 3 Jahre später mieteten sie die Garage in Palo Alto an und starteten zunächst noch in Teilzeit gemeinsame Projekte zur Entwicklung von Tonfrequenzgeneratoren. Es waren Geräte für Walt Disney, die den Durchbruch für das Unternehmen bedeuteten.

Vom Oszillator zum PC

Inside-it.ch war bereits dabei, als im Frühjahr 2008 das Jubiläum der längst unter Denkmalschutz stehenden Garage – sie steht auf einer Halbinsel etwas südlich von San Francisco – gefeiert wurde. HP brannte damals nicht nur in der Bucht vor San Francisco ein Feuerwerk ab, der einstige HP-CEO Mark Hurd propagierte auch unter dem Begriff "simplifying" die Bedeutung des Channels. Dass sich HP erstmals derart klar für die Partner aussprach und ihnen zusicherte, dass es von der Technik über die Services bis zum Umgang miteinander einfacher werde, nahmen die aus der alten Welt angereisten Partner mit viel Wohlwollen auf: "Offensichtlich hat nun auch Mark gemerkt, dass es den Channel braucht", sagte damals Leuchter-IT-Solutions-Chef Daniel Jäggli. Ein Thema, dass sich über die Aufspaltung des Konzerns zum November 2015 hinaus gehalten hat.
Doch zurück zu den Roots. Mit den Oszillatoren konnte HP durchstarten, erwirtschaftete 1951 mit 215 Mitarbeitenden schon 5,5 Millionen Dollar, eröffnete 1959 im deutschen Böblingen eine Produktionsstätte und gründete im gleichen Jahr in Genf eine Vermarktungsorganisation. In den 1960er arbeitete HP mit diversen japanischen Firmen zusammen und experimentierte mit Minicomputern. 1966 erfolgte der Markeintritt mit den ersten eigenen Rechnern. Deren Weiterentwicklung führte 20 Jahre später zu Desktops und Geschäfts-PCs. Ausserdem machte man sich in dieser Zeit einen Namen mit Taschenrechnern.

Politisches Intermezzo

Ende 1968 übergab Mitbegründer Packard seinen CEO-Job an Hewlett und wurde für knapp 3 Jahre stellvertretender Verteidigungsminister unter Nixon. 1972 kehrte er in den HP-Vorstand zurück, doch Hewlett blieb CEO bis 1978. Weiter ging es im operativen Geschäft mit John A. Young. 1993 verliessen die beiden Firmengründer das Unternehmen. Da war bereits ein Konzern entstanden, der 1985 mit 85'000 Mitarbeitenden einen Umsatz von 6,5 Milliarden Dollar erwirtschaftete. Dazu trug auch das Druckergeschäft bei, in das HP wie IBM, Apple und viele andere eingestiegen war. 1984 bot HP so für seine Desktops Tintenstrahl- und Laserdrucker an, die viele Jahre später mit Scannern zu Multifunktionsgeräten weiterentwickelt wurden.
1999 war eines der Jahre grosser Umbrüche im Konzern. So wurde alles, was nicht mit Computern, Speichern und Imaging zu tun hat, in Agilent Technologies ausgegliedert. Zudem wurde bei HP mit Carly Fiorina erstmals eine Geschäftsführerin in einem Fortune-20-Unternehmen angestellt. Ihr widmet sich die HP-Berichterstattung auf inside-it.ch, die 2004 mit einer Personalie beginnt und ein Jahr später auch den Abgang von Fiorina meldet.
Fiorina spielte eine Schlüsselrolle in der 2001 erfolgten Fusion mit Compaq, die von den Medien als katastrophal eingestuft wurde und eine Entlassungwelle zur Folge hatte. Allerdings verdoppelte sich HP in ihrer Amtszeit und nach ihrem Rücktritt wies der Konzern für das Geschäftsjahr 2007 erstmals einen Umsatz von über 100 Milliarden Dollar aus.

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Die einstige HP-Zentrale in Palo Alto. Foto: HP
Doch trotz der Zuwächse stand die Branche unter Druck und auch HP suchte neue Märkte. Genannt seien hier nur der EDS-Kauf 2008, die Übernahme von 3Com ein Jahr später, sowie im selben Jahr der Einstieg ins von Cisco dominierte Netzwerkgeschäft. Auch die Übernahme und der schnelle Wiederausstieg bei Palm 2010 sowie der Neustart ins Handy-Business 2014 waren bemerkenswert.
Aber unruhig war die ganze Dekade. Das begann mit dem für HP teuren Intermezzo des SAP-Manns Léo Apotheker als CEO, der nach weniger als einem Jahr mit über 13 Millionen Dollar entschädigt wurde und etwa beim Zukauf von Autonomy ein Debakel hinterliess. Darauf folgte die strategische Neuausrichtung auf Cloud und Software sowie eine Reorganisation inklusive Entlassungswelle. Am Ende stand die 2014 angekündigte Aufspaltung des Konzerns in HP fürs PC- und Druckergeschäft sowie HPE für Enterpriseprodukte und -services, die im November 2015 abgeschlossen wurde. HPE wurde wenige Monate später mit CSC fusioniert und stellte sich neu auf.

HPE und HP heute

Bei HPE scheint inzwischen auch eine Altlast von 2011 entsorgt zu sein. So ist in diesem Frühjahr der damals begonnene Gerichtsstreit mit Oracle wegen dessen abrupten Aufkündigung der Unterstützung der Software für Itanium-basierte Server jetzt mit einer Strafzahlung von Oracle beendet worden. Zudem kauft HPE wieder Unternehmen zu wie zuletzt die Firma Zerto. Ausserdem schreibt der Konzern auch in der Schweiz gute Zahlen und hat sich gerade erst einen grossen ETH-Auftrag gesichert.

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Das Headquarter. Foto: HPE
Und auch HP hat in den letzten Quartalen besonders vom PC-Geschäft profitiert, Zukäufe angekündigt und hierzulande grosse Aufträge des Bunds gewonnen.
Von Turbulenzen, die das letzte Jahrzehnt so stark geprägt haben, ist bei den zwei Teilen des aufgespalteten Konzerns derzeit nichts zu spüren.

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